Hier findet Ihr Döntjes (immer wieder erzählte Geschichten) von ANITA und sonstige.

Diese Geschichte erschien 1983 in dem Buch "Nebel vor Jan Mayen".

Willi und der Doc
erzählt von Hans Köhler

Jetzt müßte wohl auch Willi erwähnt werden, der - wegen seiner urigen Kräfte "Stier von Uri" getauft - den Bordalltag gern mit Sondereinlagen bereicherte, bei denen er seine Leber mit Alkohol bekämpfte. In solchen Stunden zeigte er zuweilen das Bedürfnis, die Härte seiner Schädeldecke mit derjenigen der Decksplanken zu messen. Wie man zugeben muß, eine etwas ausgefallene Art mechanischer Festigkeitsprüfung, die er obendrein noch listig variierte. So hatte er auf dem Weg nach IJmuiden auch diesmal eine andere Platte aufgelegt. Und zwar kam am Abend Klaus ins Cockpit und sagte ganz aufgeregt zu Herbert, unserem Äskulap: "Mensch Doc, geh' bloß mal runter zum Willi - der ist ganz blau im Gesicht. Mit dem stimmt was nicht."
Daraufhin zog Herbert seinen Kopf aus den Schultern, hievte seine 1,90 Meter in den Niedergang und schlich wortlos von dannen. Zehn Minuten später erschien er wieder an Deck. Als wir ihn mit Fragen überfielen, was denn mit Willi los sei, hockte er sich hin, zog die mächtigen Schultern ein und fixierte uns durch seine dicken Brillengläser. Und dann sagte er trocken: "Na, was schon! Ich habe ihm ein paar in die Fresse gehauen. Da wurde sein Gesicht wieder rot!" So etwas wirft einen natürlich um, aber Willi blieb uns auf diese Weise erhalten.

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Diese Geschichte erschien 1983 in dem Buch "Nebel vor Jan Mayen".

Georgi
erzählt von Hans Köhler

Bordton und Umgangsformen sind auf der Anita nun mal rauh aber herzlich. Dabei fällt mir Georg, genannt >Schorschi<, ein. Als man ihn zum Törn abholte, habe sein kleiner Sohn gesagt: "Gelle Papa, du bringst mir ein schönes Schiffchen mit und der Mutti keine Herpes wenn du weißt, was das ist." Dazu muß man wissen, daß Schorschis Frau Apothekerin ist. Und Herpes ein Bläschenausschlag, den man durch Ansteckung erwirbt. So war niemand überrascht, daß Schorschi, als er vor IJmuiden seine alte Retina-Kamera herausnahm und die Objektivseite der Ledertasche abklappte, eine Packung DER-MAPUR (ein Mittel gegen Hautinfektionen) fand. Woraufhin er im schönsten Taunus-Dialekt ausrief: "Hab´isch nischt e goldisch Frausche!" Ein liebes Kerlchen, der Schorschi, aber so etwas verleitet schlechte Freunde natürlich zu bösen Streichen

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Diese Geschichte erschien 1983 in dem Buch "Nebel vor Jan Mayen".

Der Scheiß-Schmutt

erzählt von Hans Köhler

Mit der Zeit und auch durch die Wachwechsel rund um die Uhr lernt man die Neulinge rasch kennen. Rudi zum Beispiel, den wir in letzter Minute als Ersatz für Peter anheuerten, und der noch nie gesegelt war, entpuppte sich als echter Spaßvogel, über dessen Spaße wir uns oft vor Lachen bogen. Nur nachts war er verdrießlich und nörgelte herum wegen der Schlafunterbrechung, die ihm gar nicht schmeckte. Doch das nahm uns weiter nicht wunder, da es eine bei Neulingen übliche Erscheinung ist. Dafür schmeckte ihm etwas anderes weitaus besser: gutes Essen, denn er war, wie sich herausstellte, ein echter Gourmet.

Unter diesen Umständen war es verständlich, daß ihm die Bordküche nicht sonderlich zusagte - und der Smut noch weniger. Deshalb waren wir nicht überrascht, als er sich spontan erbot, fortan das Küchenamt selbst zu übernehmen.

Womit wir beim Smut wären, den wir damals schon aus der Fülle unserer Erfahrungen- heraus "Scheißschmutt" nannten oder "Hafenkapitän". Im allgemeinen Bordgebrauch hieß er "Schmutt"; nur wer etwas besonderes von ihm wollte, säuselte tremolierend "Günti". Kritik indessen, die oft vorkam, erfolgte in Form deftiger Verbalinjurien, die Günti jedoch stets mit heiterem Lächeln quittierte: Ihn focht nichts an!

Wenn er morgens aus der Koje kroch, was nie vor 07.30 Uhr geschah, klebte ihm schon eine Reval zwischen den Lippen. Und seine ersten Worte waren die Frage, warum die faulen Hengste von der Morgenwache noch kein Wasser aufgesetzt hätten, da sie - mit Ausnahme des Rudergängers - ohnehin nur dumm herumsäßen. Zu seiner Ehrenrettung muß allerdings hinzugefügt werden, daß er bei jedem Wetter kochte, sich ab und zu sogar oberflächlich wusch und auch sonst ein guter Kerl war; ein hervorragender sogar, wenn es ums Feilschen ging. Man konnte ihn in Skandinavien mit nichts als einer Buddel "Matrosentod" losschicken (billiger 75%iger Wodka) und sicher sein, daß er mit Bargeld in der Landeswährung, Milch, Eis, Naturalien und notfalls einem Schlepper zurückkam. Solche Naturtalente sind unbezahlbar!

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Erwin`s Marinezeit
erzählt von Manfred Ernst

In einer der berühmten Cockpitnächte erzählte uns Erwin seine Story aus seiner Bundeswehrzeit. Als Rekrut war er zur Ausbildung auf das Schulschiff "Deutschland" abkommandiert. Sein Verhältnis zum Bootsmann war nicht unbedingt das Beste. Es kam halt öfter mal zu Reibereien, was dem Bootsmann wohl kräftig stank. Es musste früher oder später etwas passieren und so bekam Erwin den Befehl zwanzig mal eine Runde im Laufschritt um das Oberdeck zu drehen und jedesmal beim Passieren der Brücke stramm zu Stehen , zu grüßen und laut auszurufen: "Mit mir hat die Deutsche Marine einen riesen Fang gemacht." Befehl ist Befehl und wurde ausgeführt, doch Erwin sann auf Rache. In einer stillen Stunde setzte er einen Beschwerdebrief an den Wehrbeauftragen auf. Nicht ganz formgerecht begann dieser dann mit "Liebe Bundeswehr". Doch die Zeit auf der "Deutschland" ging auch vorüber und Erwin wurde auf einen Minensucher versetzt, auf dem er mit seiner etws unkonventionellen Art wesenlich besser ankam.
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Die Plüsch-Heringe
erzählt von Manfred Ernst

Wir lagen auf einer Ostsee-Reise in Kalmar. Ich saß bei einem guten Single Malt mit Günter Kirsten in der Messe der ANITA und wir redeten mal wieder über Gott und die Welt. Irgendwann kamen wir zu dem Thema, was wir unseren Enkeln von der Reise mitbringen könnten und Günter meinte plötzlich, was hältst du denn von Plüsch-Heringen.
Gesagt, getan, wir machten uns auf in die Stadt und klapperten alle Spielzeuggeschäfte ab.
Bei unserer Frage nach Plüsch-Heringen ernteten wir mal verständnisloses Kopfschütteln, Blicke die bedeuten mochten "die sind nicht ganz klar im Kopf oder besoffen"
Das Spiel ging in jedem folgenden Hafen so weiter, kurz gesagt wir kamen ohne Plüsch-Heringe nach Hause. Einziger Erfolg: Günther hatte in der Crew den Spitznamen Plüsch-Hering abgekriegt.
Im November auf dem SKO-Treffen kam Günter auf mich zu und sagte: "Greif mir doch mal in die Tasche" und siehe da, ich hatte einen Plüsch-Hering in der Hand.
Günter erzählte dann " Ich ging durch Hamburg und mir fiel nichts besseres ein als Verkäuferinnen in Spielzeuggeschäften blöd anzuquatschen. Ich fragte," haben Sie zufällig Plüsch-Heringe". Die Verkäuferin strahlte mich an und sagte selbstverständlich haben wir Plüsch-Heringe und brachte eine Dose mit sechs Stück, die eigentlich Ölsardinen darstellen sollten. Und so kamen wir endlich zu unseren Plüsch-Heringen.
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Haralds Sprüche
erzählt von Manfred Ernst

Wir kamen von Süden und wollten das schöne Visby auf Gotland besuchen. Es wehte kräftige 7 aus SW und wir segelten mit Backstagsbrise mit vollem Speed Richtung Gotland und sollten bald das Leuchtfeuer Hoburg in Sicht bekommen. Wegen des etwas ruppigen Seegangs stand mein "Gefechtsrudergänger" Harald Beckhaus am Ruder. Harald, einen in der Wolle gefärbten Segler, konnte eigentlich nichts erschüttern. Nach Erzählungen hatte er im Krieg einen Bombenangriff auf einem Rheintanker erlebt. Wir saßen also gemütlich im Cockpit, als es plötzlich hinter uns rauschte und wir einen Kaventsmann, also eine riesige Grundsee, sahen, die uns verfolgte. Harald drehte sich um und als guter Rheingauer Katholik schlug er ein Kreuz und meinte "Und segne was Du uns bescheret hast". Und da krachte es auch schon. Die See hatte uns überlaufen und war im Cockpit eingeschlagen. Wir schüttelten uns wie die nassen Hunde, die Cockpitwanne war randvoll, Der Sextant in seinem Kasten und mehrere Seekarten befanden sich auf ihrer Umlaufbahn, der Besan war zerrissen. Harald spuckte den Filter seiner Zigarette aus, sah mit einem gewissen Ekel auf seine mit Salzwasser verseuchte Bierflasche, die unvermeidlich in seiner Hand war, und dann kam der Spruch, der später immer wieder erzählt wurde. "Mann, Mann, die armen Leut` an Land, was bei denen heut ´ wohl die Fensterläden klappern".

Und der Spruch hat sich bis heute auf der ANITA gehalten.
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Tommy Moncrieff
erzählt von Manfred Ernst

Es war vor einigen Jahren bei einem Besuch von Lerwick auf den Shetlands. Es polterte an Deck und mein alter Freund Tommy Moncrieff stand im Niedergang. Dazu muß gesagt werden, Tommy ist ein Original und ein Wikinger-Urgestein der Shetlands. Ein Bär von einem Mann, dessen bis auf die Brust reichender Bart sein Gesicht fast verdeckte. Er ist die Ein-Mann Seefahrtsschule für die Fischer der Inseln, also Direktor, Lehrer, Hausmeister und Hofkehrer in Einem. Großes Begrüßungsritual, ich bot ihm wie immer einen Aquavit an, den er auch wie immer mit der Bemerkung: "You better put that bloody stuff in your compass" ablehnte. Also bekam er seinen gewohnten Schottischen Landwein. Anschließend lud er mich zu sich nach Hause ein. Harald unser feinster Mensch an Bord mußte unbedingt mit. In seinem Haus zeigte uns Tommy dann stolz seine beachtliche Sammlung von Fundstücken der Spanischen Armada, die ja bekanntlich vor den Shetlands endgültig zusammengeschossen wurde und gestrandet ist.
Tommy thronte in einem alten Admiralsstuhl. Im Hof mehrere Beiboote der Armada. Schränke voll mit alten Navigations-Instrumenten, Geschirr, Waffen und, und.....

Harald bekam immer glänzendere Augen und dann fragte er Tommy welche seiner schönen Stücke er denn kaufen könne. Tommy sagte einige Zeit nichts, dann deutete er auf seine Frau, die in der Ecke saß und es kam grollend aus seiner breiten Brust: "Die dicke Alte dahinten kannst Du mitnehmen, das ist das Einzige was hier verkauft wird."
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Die Dusche
erzählt von Claus Helmrath:

Anita Übergabe in Stavanger. Wir kommen von Kristiansand, 3 Tage auf See, gegenan.
In Stavanger gibt es vorn links am Kai keine Duschen und Toiletten, aber ganz in der Nähe das beste Hotel am Platze das .... VICTORIA.
Herby nimmt ein Zimmer, damit wir am nächsten Morgen alle nacheinander duschen können.
Archi und Peter machen sich morgens als dritte oder vierte Gruppe auf den Weg und landen in der riesigen noblen Empfangshalle
bei dem goldbetressten Empfangschef:
"We are from the Anita-Crew", stottern sie schüchtern.
"No problem, I smell it, 5th floor...".
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Schlafen auf der ANITA
erzählt von Wolfgang Lörcher
(aus einem Reisebericht)

 Beim Abendessen dann sind alle ganz locker und voller Vorfreude auf unseren Törn. Man lernt sich etwas näher kennen und meine ersten Irritationen verschwinden, alle sind sehr nett.

Zurück an Bord muss ich erst eine Technik erfinden, um in meine Koje zu kommen. Mittschiffs schlafen die Frauen und Holger auf Grund seiner Länge. Achtern der Skipper und Wachführer Gernot. Im Vorschiff auf den beiden langen Kojen an Back- und Steuerbord Ulf und Oliver, die beide auch weit über 1,80 messen. So bleiben für mich und Ludwig nur die beiden vorderen Kojen an Back- und Steuerbord. Diese beiden Kojen haben nach oben das Problem dass sie nur ca. 50 cm Platz bis zum Deck haben und nach unten, dass, sind die Segel nicht gut gestaut, diese auf die Koje rutschen. Außerdem läuft am Fußende meiner Koje durch einen Schlauch die Ankerkette. Die Technik, um in die Koje zu kommen besteht also darin, bei Nacht mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen, um die Anderen, die in aller Regel vor mir in der Koje waren nicht allzu sehr zu stören, sich am Fußende der Koje um den Schlauch der Ankerkette zu winden, sich umzudrehen und auf dem Rücken in die Koje zu robben, sich zusammenkrümmen, in den Schlafsack einfädeln und sich langsam ausstrecken, Taschenlampe aus dem Mund nehmen, sich vorsichtig etwas aufrichten, um nicht den Schädel jetzt im Dunkeln an den Decksbalken genau über dir anzuschlagen und die Taschenlampe in das offene Schapp am Fußende der Koje legen. Wehe diese Reihenfolge wird nicht eingehalten, dann sitzt du mit gekrümmtem Rücken am Fußende deiner Koje, es ist Nacht und du kannst weder vor noch zurück.

Dann bist Du glücklich in der Koje. Du entspannst, lauschst auf das leise Gluckern der Wellen am Rumpf und willst gerade hinübergleiten ins Reich der Träume. Doch da "Kkkrrrrraaaach, Harrrrch, Pffffff, Stööhn, Ächchzzz und was der Schnarchlaute mehr sind tönt an Dein Ohr. Du lernst bereits in dieser ersten Nacht, ein Gegenmittel gegen Schnarchen an Bord gibt es nicht, also am besten ignorieren. Allerdings gibt es gewaltige Unterschiede in der Intensität des Schnarchens. Da ich häufig als Letzter in die Koje ging, kann ich beschwören, dass jeder an Bord geschnarcht hat, aber nur einer hat es geschafft vom Achterschiff bis ins Vorschiff durchzudringen, ihm gebührt die Ehre des Schnarchkönigs, es war nicht der Skipper.

Aber hast Du dich durchgerungen, alles, was dich stört zu ignorieren, wirst du von ANITA in einen tiefen Schlaf gewiegt.

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Zum ersten mal an Bord (1.Teil)
erzählt von Günter Kirsten
(aus dem Reisebericht seiner ersten ANITA-Reise)

Nach dem Mittagessen teilt der Skipper die Aufgaben ein. 1.Wache = Manfred 1.WO, Volker, Klaus und Dieter. 2.Wache = Herbert 2.WO, Hans, Heinz und Günter. Alle bekommen spezielle Aufgaben für Segelmanöver, An- und Ablegemanöver, Schlauchboot, etc. zugewiesen. Günter ist beim An- und Ablegen für die Fender zuständig und bei Segelmanövern für die Dirk (was um Gottes Willen ist das ???). Er lernt es schnell worum es dabei geht: Also - die Dirk ist eine Leine zum Halten des Großbaumes (Besanbaumes) und verläuft von der Nock (das Ende des Baumes) zum Masttop - oder zur oberen Saling - (das erkläre ich jetzt nicht - wird auch ein bißchen viel auf einmal, gelle?) und hält den Baum beim Reffen oder Segelbergen waagerecht. Eine Dirk dient zum Andirken - aha - d.h. der Baum wird dann nicht durch das Segel, sondern nur durch die Dirk gehalten. Gut nicht? Nachdem an Deck noch einige Instruktionen erteilt und etliche Vorkehrungen getroffen worden sind - Klaus muß mit dem Bootsmannsstuhl in den Mast, einige Fallen haben sich verheddert - legen wir gegen 14.00 Uhr unter Segel ab.

....... Heinz in der Steuerbordkoje in das Leesegel (ein Segeltuchschanzkleid vor der Koje) gedrückt und bei dem heftigen Auf und Nieder des Vorschiffs ((wir heben immer etwas von der Matraze ab und fallen wieder zurück) besteht leicht die Möglichkeit des Herausfallens. Heinz hilft sich, indem er sich beim Schlafen (?) mit einer Hand am Handlauf mittschiffs an der Decke festhält. Geht das ? Günter meint, daß nur Vögel - speziell Hühner auf der Stange - oder Fledermäuse den Schlafklammergriff haben - Heinz auch ? Bald erklären wir uns aber nach einigen Wachgängen, daß wir in den Freiwachen in den Kojen gar nicht oder nur sehr wenig schlafen können. Also zurück zum erlebnisreichem Aufstehen zum Wachwechsel. Zuerst die Seestiefel anziehen, den Reißverschluß zuziehen, das geliebte Wollmützchen aufsetzen, regelmäßig im Durchgang zur Messe kräftig den Kopf stoßen (Herrgottnochmal - aua -verdammt) und nach dem Ölzeug im Toilettenraum angeln. Reichst Du mir bitte mein Ölzeug an? Danke! Mindestens 10 Minuten brauchend um in das "verdammte" Ölzeug zu kommen, den Niedergang rauf, sich überall festhaltend nach achtern stolpern und sich irgendwo festkeilen. Der neue Rudergänger von unserer Wache fragt nach dem anliegenden Kurs, die Wachabgelösten wünschen uns eine gute Wache, wir wünschen denen eine gute Ruhe (ist ernst gemeint), die Freiwächler stolpern den Niedergang runter und dann ist erst einmal Ruhe. Statt Zähneputzen gibt es eine Runde "Fishermans friend"

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Zum ersten mal an Bord (2.Teil)
erzählt von Günter Kirsten
(aus dem Reisebericht seiner ersten ANITA-Reise)

Unser Skipper meint, wir sollten einmal eine unseemännische Zeit der Defination von Segelausdrücken durchmachen, es kommt aber nicht viel zusammen. Hier im Nachhinein dazu einige Gedanken: Anker = Ein unförmiges Eisengebilde, daß mit einem Strick oder einer Kette vorn oder hinten (meistens vorn) am Schiff festgemachrt festgemacht ist. Dient zum Anhalten und Festmachen des Schiffes, wenn man dieses nicht an Land anbinden kann. Der Anker wird ins Wasser geworfen (vorher muß man prüfen, ob das andere Ende der Kordel am Schiff verknotet ist) und man hofft dann, daß er sich am Meeresgrund irgendwo verhakt, im Sand, an Steinen und Felsen oder an einem Seestromkabel. Letzters ist verboten, weil man dann den Anker nicht mehr hoch bekommt. Durch den Anker wird das Schiff an der Stelle festgehalten (meistens) und kann nicht mehr segeln, funktioniert nicht bei tiefem Wasser. Mast = Eine lange Stange, die auf dem Schiff steht und nach unten bis zum Kielschwein reicht (erkläreich nicht, kann kaum einer verstehen und die meisten wissen eh nicht was das ist). An der Stange wird ein Tuch festgemacht und mit Kordeln an den Tuchecken so gedreht, das der Wind von den Seiten oder von hinten in das Tuch bläst, um es runterzureißen. Da das Tuch (wenn ist richtig gemacht ist) aber gut festgemacht ist, zieht es das Schiff in die entgegengesetzte Richtung aus der der Wind kommt. Wenn der Wind von vorne kommt, muß man woanders hinfahren als man ursprünglich wollt. Es soll gute Segler geben, die doch dahin kommen, wo sie hinwollen, sie müssen dann kreuzen (ist schwer zu erklären und letztlich auch uninteressant). Dies alles nennt man segeln. Bug und Heck = ganz einfach. Der Bug ist vorn und das Heck ist hinten - immer. Das was dazwischen liegt nennt man mitschiffs. Positionslampen = geben nicht den Standort des Schiffes an, sondern sind grüne und rote Lampen, die anderen Schiffen zeigen an welcher Seite sie vorbeifahren dürfen, sieht man grün, darf man, sieht man rot, darf man nicht. Immer stimmt das zwar nicht, hilft den anderen aber ganz schön weiter, wenn sie wissen wollen, welche Seite sie von dem anderen Schiff gerade sehen. Wenn man selbst beide Lampen - rot und grün gleichzeitig - von einem anderen Schiff ganz nah sehen kann, sollte ein Besatzungsmitglied - egal welcher Dienstgrad - alle Besatzungsmitglieder zum gemeinsamen Singen auffordern "Näher mein Gott zu Dir".
Smut = Der Smut ist der wichtigste Mann an Bord und für die Verpflegung zuständig.
Der Smut ist glücklich, alles in seiner Kombüse ist wieder gerade, Er macht ein großartiges Mittagessen. Es gibt Rouladen (aus der Büchse), Salzkartoffeln (aus dem Keller) und Rotkohl (auch aus der Büchse) gemacht - schmeckt sehr gut. Günter sieht die Rouladen auf seinem Teller an und sagt: "Ei, ei so klein und schon eine Roulade." Der Smut bullert los: Du bist ein Riesena....loch, du blöder Hund, du Penner......etc." Günter schmunzelt und fragt den Smut, ob der Rotkohl nach dem Kochen abgeschreckt werden muß ? Der Smut lauert : "Warum ?" Darauf Günter. "Wenn Du den Deckel vom Topf nimmst und reinschaust, bleibt dem Rotkohl gar nichts anderes übrig." Dem Smut bleibt die Luft weg, er explodiert und legt los: "Du # # # x ++ " Nichts davon ist druckreif. Der Skipper greift ein: "Günter du bekommst ab jetzt bei Tisch Redeverbot !" Günters Ohr bekommt die Form eines Fragezeichens. Daraufhin der Skipper: "Wir haben Sorgen wegen unser aller Gesundheit". Günter versteht immer noch nicht. Der Skipper erklärt geduldig, daß es Mannschaften auf Schiffen gegeben hat, die durch nichtschmackhaftes Essen zur Meuterei getrieben worden sind, von Rizinusöl und Arsen ganz zu schweigen. "Also Günter, halte den Mund". Günter macht ein Gesicht wie ein magenkranker Bernardiner und erklärt, daß sein loses Mundwerk ein Bestandteil seines Freizeitverhaltens sei und dazu beitrage den Stellenwert seines Urlaubs (das ist doch Urlaub - oder ?) wesentlich zu erhöhen und so. Es nützt nichts. Günter wird im Wiederholungsfall Kielholen angedroht. Günter schmollt und murmelt etwas von humorloser Haufen, tristem Dasein und Scheiß-Smut. Alles grinst und wir futtern weiter - schmeckt wirklich prima.

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Kleine Ursachen - grosse Wirkungen
erzählt von Harald May

Drondtheim-Fjord, Juni 1973, früh um fünf Uhr, leichter achterlicher Wind. Es war mein erster Törn als WO mit Walter Brand als Skipper. Fast komplett bayerische Crew. Herrliche Ruhe, Zufällig war ich grade am Ruder, als ich umschaute und einen grauen Schiffsbug von achtern aufkommen sah. Am Bug der "Adenauer Da mußte einer von den Meinen Rucksack ans Ruder wechseln, während ich - in Deckung von deren Schiffsbug - leise unseren Adenauer einholte. Sauber zusammenfalten und das Päckchen mit der Flaggleine umwickeln und einen Slipknoten draufsetzen, hatte ich im Jahr zuvor beim DHH gelernt. Dann hievte ich dieses Päckchen vorsichtig wieder hoch. - Als wir mit dem Marine-Versorger Brücke an Brücke waren, zog ich an der Flaggleine und unser Adenauer wehte aus.

Da sind die da oben plötzlich aufgewacht :Die kamen von ihrem Horn überhaupt nicht mehr herunter und das war ein recht schönes Getöse im Fjord. Dazu schössen sie sechsmal "Weis" und dann raste einer zum Flaggenmast um die Flagge zu tippen.

Sie waren natürlich viel früher in Drondtheim als wir. Aber wir haben einen eleganten Aufschiesser vor deren Bug gemacht. Und - da stand bereits der Wachhabende mit seinen Leuten, die fleissig unsere Leinen übernahmen.

"Ich begrüße Sie im Namen des Kapitäns und der deutschen Bundesmarine. Sie können in unserem Vorschiff in drei Waschmaschinen Ihre Wäsche waschen und trocknen" Es befinden sich dort drei Duschen, die Sie rund um die Uhr benützen können. Weiter sind dort drei Telefone, von denen Sie kostenlos nach Deutschland telefonieren können. Wenn Sie nach Drondtheim fahren wollen, geben Sie unserer Wache Bescheid : Wir haben hier drei Meter Tidenhub, Ihre Leinen werden entsprechend versorgt*\ Was will man eigentlich mehr 7

Im Jahr zuvor, als wir den Flaggentrick beim DHH lernten, dachte ich, daß ich so einen Krampf wohl nie brauchen werde. Ja, Pfeifendeckel!


Die Räuber

erzählt von Gisela Grandpierre

Und noch soon Döntjes, geschehen vor ca 38 Jahren auf einem Reginatörn, rund Korsika und Sardinien. Die "Regina" war das damalige Zweitschiff der SKO. Ende September waren wir mit unserem Törn für die Saison spät dran, so daß wir die einzige Yacht waren, die im Hafen von Olbia festmachte. Später kamen noch zwei Fischkutter, die ihren Fang an Land brachten. Die Besatzung, echte Seemänner, waren sehr nett und bald standen wir zusammen und unterhielten uns deutsch-italienisch, was mit jedem Whisky besser ging. Der fremde Skipper fand mich recht lustig und brachte mir einen großen Korb mit Tintenfischen an Bord. Unser Smut Adami fand sich für die Verarbeitung nicht zuständig, hatte er sie ja nicht geschenkt bekommen. So machte ich mich, leise fluchend, an die Zubereitung und durfte mich dann anschließend am Lob der Crew erfreuen. Alle waren satt, bester Stimmung und verließen das Schiff um den Rest des Abends in einer Legionärsbar in den Bergen zu verbringen.

Ich blieb zurück inmitten einer riesigen Sauerei. Alles war schwarz, Teller und Pfannen, Bestecke und Gläser, was für mich ein Vor- Haupt- und Nachspülen bedeutete

Mit einbrechender Dunkelheit kam dann bei mir etwas Angst auf, denn Korsika war ja eine geschichtsträchtige Insel incl. Raub und Mord. Als letztes verpackte ich noch meinen Müll und deponierte die Kisten an Deck zur Entsorgung. Ich schloß den Niedergang ab, nahm mir die große Taschenlampe, das schärfste Messer und eine Alarmsirene mit in die Koje.

Nach einiger Zeit wurde ich durch ein leises Tipp und Tapp an Deck aufgeschreckt. Ich nahm allen Mut zusammen, hatte ich doch so etwas wie Verantwortung über das Schiff und meine Person übernommen und näherte mich ganz vorsichtig und leise dem Niedergang. Und was sah ich, keine gefährlichen Räuber, aber mehrere grüne Augenpaare, die sich blitzschnell hin und her bewegten. Drei wilde Katzen die sich fauchend und gefräßig über meine Abfälle her machten. Todmüde aber beruhigt schlief ich dann ein und wurde erst wieder durch meine "Frühheimkehrer" geweckt.


Diese Geschichte erschien 1983 in dem Buch "Nebel vor Jan Mayen".

Ludi
erzählt von Hans Köhler

Als Faktotum besonderer Art wäre auch Ludwig, ein miesmuschelbewachsener Salzbuckel, zu erwähnen. "Ludi" war an allen Küsten bekannt wie ein bunter Hund. Wenn man ihm und seinen tollen Stories Glauben schenkte, hatte er Graf Luckner noch gekannt. Und wie dieser war auch Ludi bärenstark und überaus beredt. Immer wieder versuchte er mit seinen Sprüchen sich und andere davon zu überzeugen, daß er ein echter Schöngeist und Poet sei, was ihn verständlichcherweise an der Ausübung so profaner Wachführerpflichten wie Logbuchführung und Eintragung von Kursänderungen auf der Seekarte hindere.

Da nun Rudi ein Gourmet war und Ludi die Buchführung nicht lag, ergab sich ganz von selbst, daß beide beschlossen, hinfort in inniger Symbiose Kombüse und Backschaft gemeinsam zu betreiben. Was sie auch taten. Schmutt Günti gab daraufhin einen aus und war glücklich, ab sofort als >Mann am Roer


Diese Geschichte erschien 1983 in dem Buch "Nebel vor Jan Mayen".

Und so navigierten wir früher
erzählt von Hans Köhler

Durch das ständige Segeln an der Kreuz,  zudem mitten im Verkehrstrennungsgebiet, was zu ständigen Kursänderungen bei Begegnungen mit der Berufsschiffahrt zwang, lief navigatorisch nicht alles ganz nach Wunsch.

Langsam wurde es Zeit, einen genauen Standort zu bekommen, und das blieb dann natürlich, wie immer bei Nacht, an mir hängen. Ich erwähnte schon, daß sich die Kenngruppen der Funkfeuer im Kanal geändert hatten. Aber genaue Informationen waren darüber nirgendwo aufzufinden. Also machte ich mich auf die Suche und ortete nach langem Suchen schließlich die Sender, die zu einer Gruppe gehörten und'auf einer Frequenz in einer bestimmten Reihenfolge sendeten. Schließlich gewann ich auf diese "Weise mehrere Standlinien, die zu einem einigermaßen sicheren Schiffsort führten. Dafür saß ich aber auch einige Stunden an unserem Funkpeiler und störte den Mann am Roer dauernd mit lästigen Fragen nach dem anliegenden Kurs. Ich brauchte seine Angaben dringend als additive Größe im Moment der Peilung.

Doch die Mühe hatte sich gelohnt: Nun hatten wir endlich eine sichere Basis für weitere Navigation zum Zielort Cherbourg! Und beim Weiterkoppeln bestätigte der erste Landfall das, was planmäßig festgelegt war. Ein alter Seemannsschnack lautet: >Navigation ist, wenn man trotzdem ankommt. in diesem


Diese Geschichte erschien 1983 in dem Buch "Nebel vor Jan Mayen".

Schorschi und unser Doc
erzählt von Hans Köhler

 Die Besorgungen in Amsterdam brachten nicht ganz das, was wir uns gewünscht hatten. Aber wir konnten trotzdem zufrieden sein. Auch sonst bot die Stadt eine Menge dessen, was einen Sailor aufmuntern kann. Die Zeit drängte jedoch, da wir Cherbourg, wo unsere Ablösung auf uns wartete, wenigstens einigermaßen im Rahmen unseres Zeitplanes erreichen wollten. Deshalb hieß es gleich bei einsetzender Ebbe: Leinen los, Segel hoch und Kurs auf den Ärmelkanal absetzen. In dieser Gegend ist es notwendig, besonders sorgfältig zu navigieren, denn die vielen Sände vor der Scheidemündung haben ihre Tücken, und der Verkehr ist hier so dicht wie auf der Autobahn.

Dessen ungeachtet versuchte der immer zu Spaßen aufgelegte Klaus, bei seinem Freund Schorschi auf den Busch zu klopfen, wie es denn in Amsterdam mit den Meisjes war. Und ob es eine Blonde oder Brünette gewesen sei. Oder gar eine Dunkelhäutige. . .? Als Schorschi darauf sauer reagierte, machte Klaus sich an Doc Herbert heran, ob er nicht einen Trick kenne, mit dem man Schorschi in Panik versetzen könne. Da Ärzten bekanntlich nichts Menschliches fremd ist (und unserem Doc schon gar nicht), dauerte es nicht lange, und er hatte Schorschi in ein nicht endenwollendes Medizinerlatein über die Symptome bestimmter tückischer Krankheiten verwickelt, denen besonders die Besucher von Hafenstädten zum Opfer fielen. Aber Schorschi hatte an Land nur an seine besorgte Familie und die Herpes-Pillen seiner Apothekergattin gedacht und allen Anfechtungen der menschlichen Natur mannhaft widerstanden. Obwohl das keiner glaubte, verrann das Ränkespiel von Doc und Klaus still im Sande.


Die kurze ANITA
erzählt von Manfred Ernst


Wir hatten gerade in Kirkwall auf den Orkneys festgemacht. Ich schickte Heinz zum Hafenmeister, um uns anzumelden. Der Hafenmeister fragte: "how long is she". Heinz sagte nur "twentyfive", darauf der Hafenmeister " feet ?". Heinz nickte kaum merklich, worauf der Hafenmeister die Rechnung schrieb.
Und so wurde ANITA wesentlich kürzer und die Bordkasse merklich entlastet.