Törnbericht ANITA Törn A2/06 vom 07.05. bis 16.05.2006

Laboe – Skagen, Skipper Dr. Peter Fiegel, ca 500 sm

Die SKO hat für die Saison 2006 eine große Nordlandkette über Spitzbergen, Grönland und Island vorbereitet. Wir haben dafür den
ersten "Zubringertörn" bis Skagen übernommen. Wenn auch die Wetterberichte Anfang Mai wegen der anhaltenden Kälte, besonders wegen der noch sehr kalten Wassertemperaturen in der Ostsee zunächst nicht so rechte Lust aufkommen ließen, stimmte uns die Wettervorhersage für unseren Reisetermin dann doch optimistisch. So segelten wir schließlich am Vormittag des 07.05. gemächlich über die Kieler Förde, erreichten am Nachmittag den Eingang des Kleinen Belt und beschlossen vor Einbruch der Dunkelheit im Landschlitz vor dem kühlen Nordost im Lyö Krog Sund Anker zu werfen, um am nächsten Tag die Durch fahrt durch den landschaftlich schönen Kleinen Belt zu genießen. Die doch schon betagtere Crew brauchte zudem die nächtliche Ruhe zur physischen und psychischen Eingewöhnung in das ungewohnt einfache Bordleben auf dem inzwischen 68 Jahre allen, spartanischen Zwölfer. Am nächsten Morgen erfreuten wir uns an der saftig grünenden Uferlandschaft der dänischen Inseln zu beiden Seilen des Belt. Bei glattem Wasser erreichten wir mit wenigen Kreuzschlägen Middelfart. Unter den beiden Brücken drückten uns einige Fallböen auf die Seite. Nach Passieren von Fredericia hatten
wir gehörig Gegenstrom und erreichten schließlich in der Abenddämmerung einen weiteren Ankerplatz, südlich eines Wäldchens bei Louisenlund auf der Insel Endelave. Inzwischen hat sich die Bordroutine eingestellt. Ankerwache wie üblich.
Nach erholsamer Nacht legte der Nordost auf 4 bis 5 Bf zu. Wir mussten kreuzen. Mit einem Reff im Groß können wir unser Mittagessen kochen. Regelmäßige Mahlzeiten sind wichtig für die Crew. Bald kann das Reff ausgeschüttet werden. Der Wind lässt nach. Wir beschlossen unser Tagesziel Anholt fallen zu lassen und zunächst Grena anzusteuern. Die letzten Meilen ziehen sieh und bei wärmender Sonne spielt sich das Bordleben an Deck ab. Obwohl Tiefe von Hafeneinfahrt und Hafen nach offiziellen Angaben ausreichend sind, bekommen wir unmittelbar in der Einfahrtsrinne Grundberührung. Gleichzeitig trifft der Bagger ein, der die offenbare Versandung beseitigen soll. Dieser schleppt uns zunächst einmal frei, ehe er mit den Baggerarbeiten beginnt. So liegen wir schließlich am Abend an der Pier des Nordhafens. Nach üppigem Abendessen stehen uns die Versorgungsanlagen des I Hafens zur Verfügung, die von der Crew von 10 Seglern auf einem Schiff ohne fließend Wasser und mit nur einem Pumpklo freudig in Anspruch genommen werden. Wir lassen
uns reichlich Zeit und genießen die warme Morgensonne, ehe wir das Schiff drehen und danach mit dem Beiboot aus dem Hafen schleppen. Südlich vom Kalkgrund setzen wir Segel und erreichen nach gut 5 Stunden die kleine, unter Naturschutz stehende Düneninsel Anholt. Jeder ist gespannt auf die breiten Sandstrände und die reizvolle Dünenlandschaft. In den kleinen Wäldchen finden wir duftenden Waldmeister und freuen uns über die bunten Frühlingsblumen. Von einem Fischer kaufen wir einen Tigerfisch" und Taschenkrebse, ein köstliches Abendessen mit unserem Rheingauer Riesling. Unser nächstes Ziel sind die Schären nördlich von Göteborg mit zahlreichen engen Durchfahrten, Untiefen und den bunten Häuschen, die sich in sonnigen Buchten auf den Felseneilanden zusammenducken.
Zunächst aber müssen wir aus dem kleinen Hafen von Anholt gegenan hinauskreuzen, dann die gelb-schwarz-gelbe Westtonne an der Nordspitze des gefährlichen N V Rev erreichen, um schließlich, den großen Spi zu ziehen, der uns rasch in Sichtweite der schwedischen Küste bringt. Leider schläft der Wind dann mehr und mehr ein. Erst bei Dunkelheit fädeln wir uns in den mittleren Ansteuerungsweg nach Göteborg ein. Jetzt segelt es sich wie auf einer beleuchteten Autobahn. Leider müsse wir im Morgengrauen das Beiboot als Schlepphilfe benutzen und erreichen kurz nach 0600 Uhr den kleinen Veteranenhafen gleich hinter der großen Autobrücke um uns mit Seekarten der nördlichen Schären zu versorgen. Nach knapper Ruhepause setzen wir unsere Reise am Nachmittag fort. Zunächst müssen wir aufkreuzen bis wir zwischen Björkö und Hanö unseren Kurs nach Nord richten. Am Abend erreichen wir Marstrand mit seiner gewaltigen Burganlage. Nach einem Inselspaziergang setzen wir am nächsten Mittag unsere Reise fort. Schließlich ist morgen Muttertag, der 14.05. Also bleibt die Bordküche kalt. Wir lassen uns in dem gemütlichen Restaurant Petersens Krog auf der kleinen Insel Karingön verwöhnen. Unser nächstes Ziel Smögen ist wiederum nicht weit entfernt - wir können uns eine Mittagsruhe in Lysekil gönnen und dort köstlichen Fisch für das Abendessen einkaufen. Bei unserem obligaten Inselrundgang besteigen wir den hölzernen Aussichtsturm und bekommen so einen herrlichen Rundblick über zahllose kleine Inseln und Felsrücken, die sieh im strahlenden Sonnenschein präsentieren. Unser Tagesziel Smögen erreichen wir am frühen Abend, früh genug für einen ausgiebigen Landgang durch die an die Felswand angeklebten Fischerhäuschen.Der Wind soll auf West drehen. Wenn wir etwas weiter nach Norden gehen, könnten wir die Nordspitze Dänemarks vielleicht anliegen. So ist unser nächstes Zwischenziel Grebbestad. Der benachbarte kleine Hafen von Kamperöds Vik ist allerdings viel romantischer und ohne Industrie. Also korrigieren wir unseren Kurs dorthin. Auf dem Weg liegt der enge Hamburgsund, eine Herausforderung für unsere ANITA. Bei west-süd-westlichen Winden können wir es wagen. Im Bereich der Fähre ist segeln verboten. Wir bergen kurz das Groß und lassen uns vom Beiboot helfen. In Kamperöds Vik ist der Anlegesteg sehr hoch, so eröffnet unser "Springer" unfreiwillig die Badesaison ehe er die I.einen annehmen kann. Nach ruhiger Nacht laufen wir schon früh aus dem kleinen Fjord direkt auf das Skagerak. Der Wind dreht nach Ost. Wir können mittags den Spi setzen, aber leider nur wenige Stunden. Nachts schläft der Wind
ein, eine Wetteränderung kündigt sich an. Von Mitternacht bis zum frühen Morgen schaffen wir gerade mal 10 Seemeilen und das in der belebten Schiffahrtsstraße nördlich von Skagen. Mit Hilfe unseres Beibootes erreichen wir schließlich kurz vor 0600 Uhr den Altern Hafen von Skagen und machen an der Gammle Pier vor den roten Fischerhäuschen fest. Bis heute hat das Wetter gehalten.
Eine schöne, erholsame Reise ohne Starkwind oder Sturm mit vielen Hafenmanövern liegt hinter uns. Hier wird die motorlose 12 m R Yacht ANITA an unsere Nachfolgecrew übergeben.
Die Logge zeigt einen Reiseweg von etwa 500 sm.

Die Crew: Klaus Adler, Henning Fiegel, Inge Fischer-Schmidt, Horst Klinkhart, Karl Korner, Dietmar Lotz, Martin Lutz, Gisela und Dieter Volz und Peter Fiegel.