Törnbericht A9

Reykijavik – Faroer – Edinburgh

Skipper: Michael Hunsdiek

WF: Mechthild Hollstein, Hans-J. Neumann, Hanno Wildhagen

Crew: Hans Hollstein, Silke Haeßner, Karl-Bernd Gerbig, Moritz Blendara,

Hans Althaus, Ralf Gorny (Smutje) und Frauke Wiese

 

Die ANITA lag seit Mittwoch, dem 16.08.06, wohlvertäut im Hafen. Alle nutzten die wenigen Hafentage zur Stadt- und Landbesichtigung. Der Smutje kaufte am Montag kräftig ein: Stunden brauchte die Crew, um anschließend alles zu verstauen. Dafür gab es am Abend Lachsbraten. Abends stellten wir uns alle gegenseitig vor, waren doch einige Neutlinge dabei, die zum ersten Male das Schiff sahen. Am nächsten Tage wies uns der Skipper alle ein. Hans, der Zahlmeister, wurde in seinem Amt bestätigt. Eigentlich hätten wir an diesem Tage auslaufen können, aber: "Das Wetter war heute bescheiden, kaum Sonne, ein verhangener Himmel, die Höhen meist in den Wolken, ein kräftiger Wind aus Süd (max. 6 Bft), eher kühl, strichweise Regen" hatte der Chronist in sein Logbuch geschrieben. Gegen diesen Wind aus dem Hafen? Der Skipper will den Durchgang der Front abwarten.

Es ist Mittwoch, der 23.08.06. Im Laufe des Vormittags lässt der Wind nach, sogar die Sonne kommt durch. Zoll und Hafenmeister signalisieren "Gute Fahrt". Um 15.00 Uhr verholen wir die ANITA längsseits an einen vor uns liegenden Schlepper, von dem wir dann abfallend ablegen. Die Wachen an Bord haben begonnen. Wir sind auf dem Nordatlantik. Er zeigt sich zunächst von seiner schlechten Seite: Ein bedeckter Himmel, Luft- und Wassertemperatur 12° C, das Meer ist bleiern und in der Dünung dümpelt die ANITA; bei einigen Crewmitgliedern kommt Seekrankheit auf. Um weiter zu kommen, holen wir das Dinghi. Am Freitag kommt auffrischender Wind aus SSE; wir setzen das Groß und ANITA macht Speed bis 9 kn. Achteraus grüßen wir einen blasenden Wal. Der nächste Tag bleibt trocken, bei wechselnden Segelstellungen machen wir hart am Wind gute Fahrt. In der nächsten Nacht kommt Nieselregen auf: Ein scheußliches Gefühl, immer feuchter zu werden. Tagsüber wird es wieder trocken und nach einer Flautenperiode bekommen wir endlich Fahrt mit halben Wind.

Mechthild spendiert ihren Wachmännern ein Gläschen Wein. Montag, der 6. Tag auf See: Wir verfolgen auf den Wetterberichten ein Sturmtief bei Grönland: Es darf nördlich an uns vorbeiziehen. Der Skipper setzt einen südlicheren Kurs ab: Die Insel Suderoy der Faröer. Mit 3 Windstärken, Groß und halben Wind kommt die ANITA in Spitzen auf 10 Kn. Am nächsten Morgen um 05.10 Uhr sichten wir die Westseite der Insel. Der Skipper beschließt sie wegen der Tidenströme südlich zu umsegeln, da der Hafen Vagur auf der Ostseite liegt. Nach dem Durchgang der Südspitze frischt der Wind fast auf Sturmstärke auf. All Hands waren an Deck, als im zunehmend enger werdenden Fjord nach Vagur durch den Düseneffekt kritische Situationen entstanden. Beim Anlegen half uns ein Fischer. Um 15.30 Uhr betraten wir wieder Land. Das Abendessen bezahlte die Bordkasse. Es gab frisch gefangenen Fisch und ein ebenso gut schmeckendes faringisches Bier.

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Die nächsten Tage (30.08.-02.09.06) sind Hafentage. Der erste Tag war mehr ein Ruhetag. Der Ort Vagur hat etwa 1500 freundliche Einwohner; wir waren Stadtgespräch. Man schenkte uns Fisch, den Hans-Jürgen hervorragend filetierte und Ralf in einen wohlschmeckenden Braten verwandelte. Dazu tranken wir Wein, die roten Männchen (=CocaCola) oder die grünen Männchen (so die Farbe der Bierdosen) und diskutierten bis Mitternacht. Am Donnerstag hatte sich zwar das Wetter beruhigt, aber ein Auslaufen wurde wegen ungünstiger Wetterberichte verschoben. Grund zum "Klar Schiff" machen: Reparaturen werden vorgenommen, Lebensmittel, Gas und Benzin gebunkert. Danach gab es wieder Landgang. Der nächste Tag fängt mit Regen an. Die Wetterberichte verheißen um uns Sturm. Nachmittags kommen drei Mitglieder der Deutsch-Faringischen Gesellschaft (Detlef, Klaus und Erik), die uns lange angeregt unterhalten. Am nächsten Morgen ruft uns Erik an und lädt uns zu einer Inselrundfahrt ein. Am Nachmittag erkunden wir dann mit zwei Autos die Insel. Zunächst zum Südkap (Akraberg), auf dem ein Leuchtturm steht. Dann nordwärts über Sumba nach Famjin, wo wir in der Dorfkirche die erste Faringische Flagge (rot-blaues Kreuz auf weißem Grund) sahen. Im einziges Cafè des Ortes gab es Kaffee und Waffeln. Der Abschied in Vagur war sehr herzlich (Informationen über die Faröer (Reisen etc.): Detlef Wildraut, Wartburgstr. 5, 58453 Witten (Ruhr), Tel.: 02302-83584, E-Mail: d.wildraut@cityweb.de und Internet: Faröisches Fremdenverkehrsamt: www.tourist.fo oder www.visit-faroeislands.com )

 

Sonntag, 03.10.06, um 08.10 Uhr legen wir mit dem Dinghi ab, bedeckter Himmel und ein schwacher SE. Nur langsam verschwindet die Insel hinter der Kimm; nachts kommt Regen auf. Der Morgen ist kühl. ANITA macht bei 3-4 Windstärken eine Rauschefahrt bis 10 Kn. Um 16.40 Uhr sehen wir die Orkneys in der Kimm; wir setzen Schottlands Nationale. Delphine tummeln sich um unser Boot. Die Durchfahrt in der Nacht durch die Inseln wird bei schwächelnden Winden und wechselnden Gezeitenströmungen zu einem Geduldsspiel am Radar; schließlich lässt der Skipper das Dinghi anwerfen. Mit dem Morgen kommt Wind auf und die schottische Küste in Sicht. Wir kommen gut voran: Mittwoch, der 06.09.: Um 01.20 Uhr lassen wir die 1.000 Seemeile hinter uns! Um 14.00 Uhr ist Aberdeen steuerbord querab. Die Sonne scheint, es wird wärmer. Ein West bringt uns gut parallel zur Küste südwärts. Der Chronist vermerkt einen schönen Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen sind wir bereits im Firth of Forth. Hans Jürgen hat bereits Funkkontakt mit der Coast Guard aufgenommen: Wir können im Clubhafen des Royal Forth Yacht Club anlegen. Noch einige Stunden müssen wir vor Edinburgh kreuzen, da wir nur bei Hochwasser einlaufen können. Von weitem sehen wir die bekannte Brücke über den Firth of Forth and the Castle of Edinburgh. Um Mittag ist es soweit: Zwei schottische Motorboote nehmen uns in Schlepp. Um 14.40 Uhr legt die ANITA bei strahlenden Wetter an; 1.185 sm, der längste diesjährige Törn der ANITA, liegt hinter uns. Abends essen wir à la card im Clubhaus des Royal Forth Yacht Club.

 

Die nächsten Tage ab Freitag, dem 08.09.06, sind schnell erzählt. Die meisten verlassen an diesem Tag das Schiff, da sie zum Flughafen müssen. Der Zurückgebliebenen reparieren, reinigen und sichten die Bordvorräte. Nachmittags machen wir einen Spaziergang durch Edinburgs Vororte. Abends kommen die ersten Neuankömmlinge; wir feiern zusammen aus den verbliebenen Bordbeständen. Am nächsten Tag besichtigen Frauke, Michael und ich die City. Die Stadt ist voller Menschen und die Burg wird prall von der Sonne beschienen. Abends zeigen wir einem Schotten die ANITA, der von ihrem "Holz" begeistert ist. Dann fange ich an zu packen. Am Sonntag, dem 10.09.06 verabschiede ich mich von der ANITA nach 22 Tagen, davon 12 auf See. Frauke, Michael und Hanno werden weiter segeln.

Hans Althaus